WAHRNEHMUNG, KONTROLLE UND BELASTBARKEIT

Beckenbodenphysiotherapie

Beckenbodenphysiotherapie beschäftigt sich mit Beschwerden und Funktionsstörungen rund um den Beckenboden. Dabei geht es nicht nur um Kraft: Entscheidend ist, den Beckenboden wahrnehmen, gezielt anspannen und entspannen sowie passend zu Atmung, Bewegung und Belastung einsetzen zu können.

DIE THERAPIE

Was ist Beckenbodenphysiotherapie?

Der Beckenboden bildet den muskulären Abschluss des Beckens und erfüllt unterschiedliche Aufgaben. Er trägt zur Kontinenz und Unterstützung der Beckenorgane bei und reagiert auf Druckveränderungen, Bewegung und körperliche Belastung.

In der Beckenbodenphysiotherapie untersuchen und trainieren wir deshalb nicht einfach nur die Kraft der Muskulatur. Je nach Ausgangslage kann es darum gehen, den Beckenboden zunächst besser wahrzunehmen, gezielt zu aktivieren, bewusst zu entspannen oder seine Reaktion auf unterschiedliche Belastungen zu verbessern.

Dabei betrachten wir auch das Zusammenspiel mit Atmung, Bauch- und Rumpfmuskulatur sowie Bewegung.

Ein Beckenboden muss auch loslassen können

Ein gut funktionierender Beckenboden muss nicht permanent möglichst viel Spannung erzeugen. Er sollte sich situationsabhängig aktivieren, entspannen und auf unterschiedliche Belastungen reagieren können. Genau diese Fähigkeit steht im Zentrum der Therapie.

UNTERSCHIEDLICHE AUSGANGSSITUATIONEN

Für wen ist Beckenbodenphysiotherapie geeignet?

Beckenbodenphysiotherapie kann in unterschiedlichen Lebenssituationen sinnvoll sein. Entscheidend ist, welche Funktion beeinträchtigt ist und welche Anforderungen im Alltag, bei körperlicher Belastung oder beim Sport wieder sicher bewältigt werden sollen.


Bei Inkontinenz


Nach Schwangerschaft und Geburt


Bei Senkungsbeschwerden

Kontrolle gezielt verbessern

Wenn beim Husten, Niesen, Laufen oder anderen Belastungen ungewollt Urin oder Stuhl verloren geht, können Wahrnehmung, Koordination und Belastbarkeit des Beckenbodens gezielt trainiert werden.

Funktion schrittweise wieder aufbauen

Nach Schwangerschaft und Geburt können sich Wahrnehmung, Kraft und Belastbarkeit verändern. Die Therapie richtet sich nach der individuellen Situation und dem Verlauf der Rückbildung.

Belastung und Druck besser regulieren

Bei Senkungsbeschwerden können unter anderem Wahrnehmung, muskuläre Funktion, Atmung und der Umgang mit Belastung eine Rolle spielen.

Nicht immer ist zu wenig Kraft das Problem

Auch eine Muskulatur, die schlecht entspannen kann oder dauerhaft viel Spannung hält, kann Beschwerden verursachen. Dann steht nicht primär Kräftigung, sondern zunächst eine bessere Regulation im Vordergrund.

Beckenbodenbeschwerden können sehr unterschiedliche Ursachen und Funktionsstörungen haben. Deshalb richtet sich die Therapie nicht nach einem einheitlichen Übungsprogramm, sondern nach dem individuellen Befund.

TYPISCHE EINSATZBEREICHE

Wann Beckenbodenphysiotherapie eingesetzt werden kann

Beckenbodenbeschwerden können sich sehr unterschiedlich zeigen. Manche treten vor allem unter Belastung auf, andere betreffen Wahrnehmung, Entspannung oder Kontrolle. Entsprechend unterschiedlich sind auch die therapeutischen Schwerpunkte.


Kontinenz

Harn- oder Stuhlinkontinenz

Ungewollter Verlust kann beispielsweise beim Husten, Niesen, Springen, Laufen oder bei anderen Belastungen auftreten.

Senkung

Druck- oder Senkungsgefühl

Ein Druck-, Fremdkörper- oder Schweregefühl im Beckenbereich kann unter anderem bei Senkungsbeschwerden auftreten.

Schwangerschaft & Geburt

Beschwerden nach Schwangerschaft und Geburt

Veränderungen des Beckenbodens und der umgebenden Strukturen können auch nach der unmittelbaren Rückbildungsphase relevant bleiben.

Becken

Schmerzen im Beckenbereich

Bei Beschwerden im Beckenbereich kann auch die Funktion und Spannung des Beckenbodens in die physiotherapeutische Untersuchung einbezogen werden.

Spannung

Schwierigkeiten beim Entspannen

Nicht jede Funktionsstörung entsteht durch zu wenig Kraft. Eine erhöhte oder schlecht regulierbare Muskelspannung kann ebenfalls relevant sein.

SPORT & BELASTUNG

Beschwerden bei körperlicher Belastung

Springen, Laufen, Heben und andere höhere Belastungen stellen Anforderungen an Druckregulation und Beckenbodenfunktion.

Nicht das einzelne Symptom bestimmt den Inhalt der Physiotherapie. Entscheidend ist, wie der Beckenboden arbeitet und in welcher Situation Beschwerden oder Kontrollprobleme auftreten.

VON DER WAHRNEHMUNG ZUR BELASTUNG

Beckenbodenfunktion gezielt aufbauen

Die Behandlung richtet sich danach, was der Beckenboden aktuell leisten kann und wo Schwierigkeiten bestehen. Deshalb beginnen wir mit Wahrnehmung und Kontrolle und entwickeln die Anforderungen entsprechend Ihrer individuellen Situation weiter.

01

Wahrnehmen

Den Beckenboden gezielt spüren

Zunächst geht es darum, ein besseres Gefühl dafür zu entwickeln, wann der Beckenboden aktiv ist und wann er sich entspannt.


02

Steuern

Anspannung und Entspannung kontrollieren

Wir üben, Spannung bewusst aufzubauen und wieder loszulassen und verbinden dies mit der Atmung und anderen Bewegungen.


03

Belasten

Funktion unter Belastung entwickeln

Mit zunehmender Kontrolle werden die Anforderungen gesteigert. Der Beckenboden soll nicht nur in einer ruhigen Übungssituation funktionieren, sondern auch bei Bewegung und körperlicher Belastung.


04

Übertragen

In Alltag und Sport integrieren

Die erarbeiteten Fähigkeiten werden zunehmend in jene Situationen übertragen, in denen sie tatsächlich benötigt werden – beispielsweise beim Heben, im Alltag oder bei sportlicher Aktivität.


NICHT NUR KRÄFTIGEN

Entscheidend ist die passende Funktion

Je nach Ausgangslage kann ein Beckenboden mehr Aktivität benötigen – oder zunächst lernen müssen, Spannung besser zu reduzieren. Die Übungen richten sich deshalb nach der individuellen Funktion und nicht nach einem allgemeinen Kräftigungsschema.

DER BECKENBODEN ARBEITET NICHT ISOLIERT

Atmung, Bewegung und Belastung zusammendenken

Der Beckenboden arbeitet im Alltag nicht unabhängig vom restlichen Körper. Atmung, Druckverhältnisse im Rumpf, Bewegung und körperliche Belastung verändern fortlaufend die Anforderungen an die Muskulatur.

Deshalb übertragen wir die gezielte Arbeit am Beckenboden zunehmend auf funktionelle Bewegungen und individuelle Alltagssituationen.

Kontrolle muss unter Belastung funktionieren

Das Ziel ist nicht, den Beckenboden nur im Liegen bewusst anspannen zu können. Entscheidend ist, dass die erarbeitete Kontrolle dort verfügbar wird, wo sie benötigt wird – beispielsweise beim Aufstehen, Heben, Gehen, Laufen oder Sport.

Mehr über unseren physiotherapeutischen Ansatz

BECKENBODENPHYSIOTHERAPIE BEI SINN SECHS

Beckenbodenfunktion gezielt verbessern

Ob bei Inkontinenz, Senkungsbeschwerden, nach Schwangerschaft und Geburt oder bei Schwierigkeiten mit Spannung und Kontrolle: Wir beurteilen Ihre individuelle Situation und entwickeln die Therapie entsprechend Ihrer Beschwerden und Anforderungen.