BECKENSCHMERZEN
Physiotherapie bei Beckenschmerzen
Beckenschmerzen können beim Gehen, Sitzen, Drehen, Aufstehen oder bei sportlichen Belastungen auftreten. Dabei können unterschiedliche Bereiche rund um Becken, Hüfte und unteren Rücken beteiligt sein. In der Physiotherapie untersuchen wir, welche Bewegungen und Funktionen mit Ihren Beschwerden zusammenhängen und wie sich Bewegung und Belastbarkeit gezielt wieder aufbauen lassen.
TYPISCHE BESCHWERDEN
Wie sich Beckenschmerzen zeigen können
Beckenschmerzen können an unterschiedlichen Stellen wahrgenommen werden und sich je nach Bewegung oder Belastung verändern. Manche Beschwerden treten vor allem einseitig auf, andere eher mittig oder über mehrere Bereiche rund um Becken, Hüfte und unteren Rücken verteilt.
Schmerzen beim Gehen
Beschwerden können bei längeren Gehstrecken, beim schnelleren Gehen oder bei einzelnen Schritten auftreten.
Schmerzen beim Sitzen
Längeres Sitzen oder bestimmte Sitzpositionen können Beschwerden im Bereich des Beckens oder Gesässes verstärken.
Beschwerden beim Aufstehen und Drehen
Der Wechsel vom Sitzen zum Stehen sowie Drehbewegungen des Rumpfes können schmerzhaft oder eingeschränkt sein.
Einseitige Schmerzen im Becken- oder Gesässbereich
Beschwerden können überwiegend auf einer Seite auftreten und teilweise in den unteren Rücken oder Oberschenkel ausstrahlen.
Schmerzen bei einbeiniger Belastung
Treppensteigen, auf einem Bein stehen oder andere asymmetrische Belastungen können Beschwerden auslösen.
Beschwerden bei sportlicher Belastung
Laufen, Springen, Richtungswechsel oder kraftvolle Bewegungen können den Becken- und Hüftbereich stärker fordern und Beschwerden hervorrufen.
Wichtig: Die Art und der Ort der Schmerzen allein zeigen nicht zuverlässig, welche Struktur die Beschwerden verursacht. Deshalb betrachten wir auch, wie Bewegungen und Belastungen die Beschwerden beeinflussen.
MÖGLICHE URSACHEN
Hinter Beckenschmerzen können unterschiedliche Faktoren stehen
Beckenschmerzen lassen sich nicht immer einer einzelnen Struktur zuordnen. Je nach Beschwerdebild können Gelenke, Muskulatur und angrenzende Körperregionen beteiligt sein. Deshalb betrachten wir nicht nur die Stelle, an der der Schmerz wahrgenommen wird, sondern auch die Bewegungen und Belastungen, bei denen er auftritt.
Becken und Iliosakralgelenk
Die Gelenkverbindungen zwischen Kreuzbein und Becken sind Teil der Kraftübertragung zwischen Rumpf und Beinen. Beschwerden in dieser Region können unter anderem bei Positionswechseln, beim Gehen oder bei asymmetrischen Belastungen wahrgenommen werden.
Hüfte und umgebende Muskulatur
Beweglichkeit und Kraft der Hüfte beeinflussen, wie Belastungen über Becken und Bein aufgenommen werden. Einschränkungen oder schmerzhafte Funktionen der Hüfte können deshalb bei Beschwerden im Beckenbereich relevant sein.
Lendenwirbelsäule
Beschwerden aus dem unteren Rücken können teilweise im Becken- oder Gesässbereich wahrgenommen werden. Deshalb beziehen wir die Lendenwirbelsäule je nach Beschwerdebild in die Untersuchung ein.
Muskulatur und Belastung
Die Muskulatur rund um Becken, Hüfte und Rumpf muss Kräfte aufnehmen, übertragen und Bewegungen kontrollieren. Veränderungen von Kraft, Kontrolle oder Belastbarkeit können deshalb bei bestimmten Bewegungen und alltäglichen oder sportlichen Anforderungen eine Rolle spielen.
NICHT IMMER EINDEUTIG
Nicht immer gibt es eine einzelne Ursache
Gerade bei länger bestehenden Beckenschmerzen können mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen. Deshalb behandeln wir nicht allein aufgrund der Schmerzstelle, sondern orientieren uns an den Befunden der Untersuchung.
UNTERSUCHUNG
Was wir bei Beckenschmerzen untersuchen
Zu Beginn interessiert uns, wo Ihre Beschwerden auftreten und bei welchen Bewegungen, Positionen oder Belastungen sie sich verändern.
Wir untersuchen unter anderem die Beweglichkeit von Becken, Hüfte und Lendenwirbelsäule und prüfen, wie sich verschiedene Bewegungen auf Ihre Beschwerden auswirken. Je nach Befund betrachten wir auch Kraft und Kontrolle von Rumpf und Beinen sowie funktionelle Bewegungen wie Gehen, Aufstehen, Kniebeugen oder einbeinige Belastungen.
Entscheidend ist dabei nicht eine einzelne vermeintliche Fehlstellung des Beckens, sondern welche Funktionen tatsächlich eingeschränkt sind und nachvollziehbar mit Ihren Beschwerden zusammenhängen.
Bewegung des Beckens
Wir prüfen Beugen, Strecken, Seitneigung und Rotation der Gelenke und beobachten, wie sich Ihre Beschwerden dabei verändern.
Aktive und passive Beweglichkeit
Je nach Befund vergleichen wir selbst ausgeführte Bewegungen mit der Beweglichkeit einzelner Bereiche bei der Untersuchung.
Kraft und Bewegungskontrolle
Wir beobachten relevante Bewegungen und prüfen, wie Sie körperliche Belastungen kontrollieren und bewältigen.
Angrenzende Körperregionen
Wenn die Befunde dafür sprechen, beziehen wir beispielsweise Hüfte, Lendenwirbelsäule oder Beckenboden mit ein.

ENTSCHEIDEND IST NICHT EIN EINZELNER TEST
Wir führen die Ergebnisse aus Gespräch, Bewegungstests und körperlicher Untersuchung zusammen. Daraus leiten wir ab, welche Befunde für Ihre aktuelle Situation wahrscheinlich relevant sind und wo wir mit der Behandlung ansetzen.
BEHANDLUNG
Wie Physiotherapie bei Beckenschmerzen helfen kann
Die Behandlung richtet sich danach, welche Bewegungen und Belastungen Ihre Beschwerden beeinflussen und welche Funktionen bei der Untersuchung eingeschränkt sind. Je nach Befund können passive und aktive Massnahmen unterschiedlich gewichtet werden.
01
BEWEGUNG ERMÖGLICHEN
Eingeschränkte Bewegungen gezielt behandeln
Sind Bewegungen von Becken, Hüfte oder Lendenwirbelsäule eingeschränkt oder schmerzhaft, können gezielte manuelle Techniken helfen, die Bewegung zu erleichtern und Voraussetzungen für die aktive Therapie zu schaffen.
02
BEWEGUNG KONTROLLIEREN
Die erreichte Bewegung nutzen
Anschliessend wird die verbesserte Bewegung aktiv übernommen. Übungen können die Wahrnehmung und Kontrolle von Becken, Hüfte und Rumpf verbessern und das Zusammenspiel mit den Beinen gezielt fördern.
03
BELASTBARKEIT AUFBAUEN
Den Rücken wieder auf seine Anforderungen vorbereiten
Schrittweise steigern wir Kraft und Belastung entsprechend Ihren Beschwerden und Zielen. Dabei übertragen wir die Übungen zunehmend auf Anforderungen wie Gehen, Treppensteigen, Heben, einbeinige Belastungen oder sportliche Bewegungen.
NICHT JEDER BEGINNT BEI SCHRITT 01
Wenn Ihre Beweglichkeit bereits ausreichend ist und Belastung gut möglich ist, kann der Schwerpunkt von Beginn an auf aktiver Therapie und Belastungsaufbau liegen. Die Untersuchung bestimmt, wo wir einsteigen.
VOM BEFUND ZUR BELASTUNG
Ein Beispiel: Einseitige Beckenschmerzen beim Gehen
Ein Patient hat seit einigen Wochen einseitige Schmerzen im Becken- und Gesässbereich. Besonders bei längeren Gehstrecken und beim Treppensteigen treten die Beschwerden auf. Im Sitzen sind sie deutlich geringer.
01
UNTERSUCHEN
Was passiert unter Belastung?
Wir beobachten das Gehen und einbeinige Belastungen und untersuchen anschliessend gezielt die Beweglichkeit von Hüfte, Becken und Lendenwirbelsäule sowie Kraft und Kontrolle des betroffenen Beins.
02
VERÄNDERUNG PRÜFEN
Lässt sich die Bewegung beeinflussen?
Nach einer gezielten Massnahme prüfen wir die zuvor auffällige oder schmerzhafte Bewegung erneut. Dabei beobachten wir, ob sich Bewegungsqualität, Beweglichkeit oder Beschwerden nachvollziehbar verändern.
03
AKTIV ÜBERNEHMEN
Die Bewegung selbst kontrollieren
Der Patient übernimmt die verbesserte Bewegung zunehmend selbstständig. Mit geeigneten Übungen werden Kontrolle und Kraft von Hüfte, Becken und Rumpf gezielt aufgebaut.
04
WIEDER BELASTEN
Zurück zu Gehen und Treppensteigen
Anschliessend steigern wir Widerstand, Dauer und Komplexität der Belastung und übertragen die Übungen zunehmend auf längere Gehstrecken, Treppen und weitere Anforderungen aus Alltag oder Sport.
DAS IST EIN BEISPIEL, KEIN FESTES BEHANDLUNGSSCHEMA
Bei einer anderen Person können andere Funktionen oder Körperregionen relevant sein. Manchmal steht zunächst die Beweglichkeit im Vordergrund, in anderen Fällen kann direkt mit einem aktiven Kraft- und Belastungsaufbau begonnen werden. Die Behandlung richtet sich nach den individuellen Beschwerden und dem Untersuchungsbefund.
ÄRZTLICHE ABKLÄRUNG
Wann Beckenschmerzen zusätzlich ärztlich abgeklärt werden sollten
Beckenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben und sind nicht immer auf den Bewegungsapparat zurückzuführen. Bestimmte Beschwerden sollten deshalb zusätzlich ärztlich abgeklärt werden – insbesondere bei ungewöhnlichen Begleitsymptomen oder nach einer stärkeren Verletzung.
ZEITNAH ÄRZTLICH ABKLÄREN
Beschwerden nach einer stärkeren Verletzung
Treten die Beschwerden nach einem relevanten Sturz, Unfall oder einer anderen stärkeren Verletzung auf, kann eine ärztliche Abklärung notwendig sein.
Fieber oder ausgeprägtes Krankheitsgefühl
Beckenschmerzen zusammen mit Fieber, Schüttelfrost oder deutlichem Krankheitsgefühl sollten medizinisch beurteilt werden.
Ungewöhnliche Begleitsymptome
Beschwerden zusammen mit ungeklärtem Gewichtsverlust, Blutungen oder Veränderungen beim Wasserlassen oder Stuhlgang sollten ärztlich abgeklärt werden.
SOFORT MEDIZINISCH ABKLÄREN
Neue Störungen von Blase oder Darm
Neu auftretende Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder ein Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm zusammen mit Rücken-, Becken- oder Beinschmerzen benötigen eine sofortige medizinische Abklärung. nhs.uk
Taubheitsgefühl im Genital- oder Gesässbereich
Neu auftretende Taubheitsgefühle zwischen den Beinen, im Genitalbereich oder rund um den After sollten umgehend medizinisch abgeklärt werden.
Plötzlich sehr starke oder rasch zunehmende Beschwerden
Plötzlich auftretende sehr starke Beckenschmerzen oder rasch zunehmende Beschwerden mit Kreislaufproblemen, Atemnot oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl benötigen eine sofortige medizinische Beurteilung.
IM ZWEIFEL SPRECHEN WIR DIE WEITEREN SCHRITTE MIT IHNEN AB
Sind Sie unsicher, ob Ihre Beschwerden physiotherapeutisch behandelt werden können, klären wir mit Ihnen, ob eine zusätzliche ärztliche Untersuchung sinnvoll ist.
TERMIN VEREINBAREN
Beckenschmerzen gezielt angehen
Wir untersuchen, welche Bewegungen, Funktionen und Belastungen mit Ihren Beschwerden zusammenhängen, und entwickeln darauf aufbauend eine individuelle Behandlung.
