WISSEN & GESUNDHEIT

Nackenschmerzen und Kopfschmerzen: Wie hängt das zusammen?

Der Kopf schmerzt, der Nacken ist verspannt und das Drehen fällt schwer. Vielleicht beginnen die Beschwerden am Hinterkopf und ziehen bis zur Schläfe oder hinter das Auge. Können diese Kopfschmerzen vom Nacken kommen?
Die Halswirbelsäule, die umliegende Muskulatur und der Kiefer können an Kopfschmerzen beteiligt sein. Entscheidend ist, diese Zusammenhänge gezielt zu untersuchen. Denn Nackenschmerzen können Kopfschmerzen auch begleiten, ohne deren Ursache zu sein.

Frau berührt ihre Schläfe; eine dezente rosa Markierung veranschaulicht eine mögliche Schmerzausstrahlung vom Nacken zum Kopf.

Warum Schmerzen aus dem Nacken in den Kopf ziehen können

Der Ort, an dem Sie Schmerzen spüren, ist nicht immer der Ort, an dem sie entstehen. Beschwerden aus Strukturen der oberen Halswirbelsäule können in den Kopf übertragen werden. Man spricht von übertragenen Schmerzen, auf Englisch referred pain.

Dahinter steckt die gemeinsame Verarbeitung von Schmerzsignalen: Informationen aus dem oberen Nacken und aus Teilen des Kopfes treffen auf gemeinsame Nervenzellen. Dadurch können Signale aus dem Nacken als Schmerzen im Kopf wahrgenommen werden.

Die Beschwerden können vom Hinterkopf nach vorne ziehen und beispielsweise an der Schläfe, an der Stirn oder im Bereich des Auges spürbar sein.

Die Ausstrahlung liefert Hinweise, beweist aber noch keine Ursache. Entscheidend ist, ob Untersuchung und Verlauf einen Zusammenhang mit dem Nacken erkennen lassen.

Wenn eingeschränkte Beweglichkeit und Muskelspannung zusammenkommen

Manche Betroffene bemerken, dass eine bestimmte Kopfbewegung oder längeres Verbleiben in einer Position die Kopfschmerzen verstärkt. Bei der Untersuchung kann sich gleichzeitig eine eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule zeigen.

Umgangssprachlich wird dabei häufig von einer Blockierung gesprochen. Gemeint ist eine Bewegungseinschränkung – kein ausgerenkter Wirbel.

Zusätzlich kann die Nackenmuskulatur druckempfindlich sein. Bei manchen Menschen lässt sich durch Druck auf bestimmte Muskelbereiche der vertraute Kopfschmerz auslösen. Solche empfindlichen Stellen werden häufig als Triggerpunkte bezeichnet.

Für unsere Untersuchung sind deshalb drei Fragen besonders wichtig:

  • Lässt sich Ihr bekannter Kopfschmerz durch Bewegung oder gezielten Druck beeinflussen?
  • Welche Bewegungen sind eingeschränkt oder schmerzhaft?
  • Verändern sich Beschwerden und Beweglichkeit nach einer gezielten Massnahme?

Ein einzelner druckempfindlicher Punkt reicht nicht aus, um die Ursache festzulegen. Wir führen die verschiedenen Befunde zusammen.

Welche Rolle spielen die oberen Kopfgelenke?

Die Verbindung zwischen Hinterkopf, Atlas und Axis wird als C0–C2-Komplex bezeichnet. Sie ermöglicht einen grossen Teil der Kopfdrehung und wirkt an der feinen Ausrichtung des Kopfes mit.

Dieser Bereich kann auch bei nackenbedingten Kopfschmerzen relevant sein. Deshalb beziehen wir die Kopfgelenke in die Untersuchung ein, wenn Beschwerden und Befunde dafür sprechen.

Den Aufbau und das Zusammenspiel dieser Gelenke erklären wir ausführlicher in unserem Beitrag zur oberen Halswirbelsäule.

Auch der Kiefer kann Kopfschmerzen beeinflussen

Bei seitlichen Kopfschmerzen, besonders an der Schläfe, lohnt sich ein Blick auf die Kaumuskulatur und die Kiefergelenke.

Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang sind beispielsweise:

  • Schmerzen oder Ermüdung beim Kauen;
  • häufiges Zähnepressen;
  • eine schmerzhafte oder eingeschränkte Mundöffnung;
  • vertraute Kopfschmerzen, die sich beim Kauen oder Pressen verstärken.

Auch hier entscheidet das Zusammenspiel der Befunde. Nicht jeder Schläfenschmerz entsteht im Kiefer.

An unserem Standort in Neftenbach bieten wir Kieferphysiotherapie an. Bei Bedarf stimmen wir das weitere Vorgehen mit der behandelnden Zahnärztin oder dem behandelnden Zahnarzt ab.smodell. Ob ein vermuteter Zusammenhang für Sie relevant ist, muss sich in der Untersuchung und bei der erneuten Bewegungsprüfung zeigen.

WICHTIG ZU VERSTEHEN

Nackenschmerz ist ein Hinweis, noch keine Erklärung

Gelenke und Muskeln des oberen Nackens können Schmerzen in den Kopf übertragen. Gleichzeitig können Nackenbeschwerden auch bei Migräne oder Spannungskopfschmerzen auftreten.
Entscheidend ist deshalb, ob sich Ihre vertrauten Beschwerden durch die Untersuchung nachvollziehbar beeinflussen lassen. Wir behandeln den Beitrag des Nackens, den wir bei Ihnen tatsächlich feststellen – und empfehlen bei Bedarf eine zusätzliche ärztliche Abklärung.

Wie wir Nackenschmerzen und Kopfschmerzen untersuchen

Zunächst möchten wir verstehen, wie Ihre Beschwerden auftreten. Wo beginnen die Schmerzen? Wohin ziehen sie? Wie häufig kommen sie vor und wie lange halten sie an?

Ebenso wichtig sind Begleitsymptome, bisherige ärztliche Abklärungen und die Frage, was die Schmerzen verändert. Übelkeit oder eine ausgeprägte Licht- und Geräuschempfindlichkeit können beispielsweise für die Einordnung der Kopfschmerzform relevant sein.

Anschliessend untersuchen wir die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und die Reaktion der Muskulatur. Je nach Befund kommen Kopfgelenke, Schultergürtel und Kiefer hinzu.

Unser Ziel ist, den möglichen Einfluss des Bewegungsapparats einzugrenzen. Ein verspannter Nacken allein erklärt weder eine Migräne noch jede andere Kopfschmerzform.

Von der Behandlung auf der Liege zur aktiven Umsetzung

Wenn eingeschränkte Bewegungen und empfindliche Muskelbereiche zu Ihren Beschwerden beitragen, können wir zunächst mit manuellen Techniken auf der Behandlungsliege arbeiten.

Je nach Befund ergänzen wir die Behandlung durch Triggerpunkttherapie oder Dry Needling. Die Auswahl richtet sich nach der Untersuchung, möglichen Gegenanzeigen und Ihren Präferenzen.

Danach prüfen wir erneut: Lässt sich der Kopf leichter drehen? Hat sich der bekannte Schmerz verändert? So beurteilen wir die unmittelbare Reaktion und passen das weitere Vorgehen an.

Die erreichte Veränderung möchten wir anschliessend aktiv übernehmen. Dazu gehören einfache Bewegungsübungen, gezielte Muskelarbeit und die Anleitung, Kopf und Oberkörper im Alltag besser zu kontrollieren.

Aufrichtung bedeutet dabei eine veränderbare, gut steuerbare Haltung. Sie müssen nicht den ganzen Tag angespannt gerade sitzen.

Was Sie selbst tun können

Lange Positionen unterbrechen

Bauen Sie kurze Bewegungspausen ein. Stehen Sie auf, gehen Sie einige Schritte und bewegen Sie Kopf und Schultern ruhig in einem angenehmen Bereich.

Selbstmassage sanft dosieren

Wenn Massage angenehm ist, können Sie geeignete Muskelbereiche vorsichtig selbst bearbeiten. Wir zeigen Ihnen passende Stellen und eine sinnvolle Dosierung.

Starker Druck ist dafür nicht erforderlich. Vermeiden Sie kräftiges Drücken an der vorderen und seitlichen Halsregion sowie ruckartige Versuche, den Nacken selbst «einzurenken».

Wenige passende Übungen regelmässig durchführen

Wählen Sie Übungen, die zu Ihren Beschwerden passen und sich gut umsetzen lassen. Beginnen Sie leicht und steigern Sie die Anforderungen schrittweise.

Bei neuer Ausstrahlung, Schwindel oder einer deutlichen Verschlechterung unterbrechen Sie die betreffende Anwendung und lassen sich beraten.

Den Verlauf festhalten

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen kann ein Kopfschmerztagebuch helfen. Notieren Sie Häufigkeit, Dauer, Begleitsymptome und eingenommene Medikamente. Das unterstützt auch die ärztliche Einordnung.

Wann ist eine ärztliche Abklärung nötig?

Plötzlich einsetzende, innerhalb kürzester Zeit sehr starke Kopfschmerzen sind ein Notfall. Das gilt ebenso für Kopfschmerzen mit neuen Lähmungen, Sprachstörungen, Sehverlust oder Bewusstseinsstörungen. Rufen Sie in einer akuten Notfallsituation 144.

Auch Kopfschmerzen mit Fieber und ausgeprägter Nackensteifigkeit müssen dringend medizinisch beurteilt werden.

Eine zeitnahe ärztliche Untersuchung ist wichtig, wenn Kopfschmerzen neu auftreten, deutlich zunehmen, ihr gewohntes Muster verändern oder nach einem Unfall beginnen. Wiederkehrende, bisher nicht eingeordnete Kopfschmerzen sollten ebenfalls abgeklärt werden.

MEHR ZUM THEMA

Kopf und Nacken gemeinsam betrachten

Hier finden Sie weitere Informationen zu Kopfschmerzen, Nackenbeschwerden und unserem Vorgehen in der Physiotherapie.

Wann eine physiotherapeutische Untersuchung sinnvoll sein kann und welche Zusammenhänge wir prüfen.

Wie wir Bewegungen untersuchen, Zusammenhänge prüfen und Veränderungen nach der Behandlung beurteilen.

Wie wir gezielte Behandlung mit erneuter Bewegungsprüfung und aktiver Anleitung verbinden.

ZUSAMMENHÄNGE GEZIELT PRÜFEN

Sind Kopf- und Nackenschmerzen bei Ihnen verbunden?

Ihre Kopfschmerzen treten zusammen mit einem steifen Nacken auf oder verändern sich bei bestimmten Bewegungen?
Bei Sinn Sechs Physio untersuchen wir, welchen Einfluss Halswirbelsäule, Muskulatur und gegebenenfalls der Kiefer auf Ihre Beschwerden haben. Darauf aufbauend entwickeln wir passende Behandlungsschritte und Übungen für Ihren Alltag – in Neftenbach oder Steinmaur.