Skoliose bei Kindern und Jugendlichen – oft übersehen, aber wichtig zu erkennen

Manchmal sind es kleine Dinge, die auffallen: Eine Schulter wirkt etwas höher, der Rücken erscheint leicht verdreht oder ein Kind steht nicht ganz gerade.

Solche Veränderungen können Hinweise auf eine Skoliose sein – eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule.

Und genau hier liegt eine wichtige Beobachtung aus unserem Praxisalltag: Skoliosen bei Kindern und Jugendlichen werden häufig zu spät erkannt oder gar nicht diagnostiziert.

Eine Phase, in der sich viel verändert

Viele Skoliosen entwickeln sich während des Wachstums – besonders im Kindes- und Jugendalter.

Gerade in der Pubertät, wenn der Körper schnell wächst, kann sich auch die Wirbelsäule verändern.

Das Problem dabei:

Diese Veränderungen passieren oft schleichend. Anfangs verursachen sie meist keine Schmerzen und bleiben deshalb lange unbemerkt.

Umso wichtiger ist es, in dieser Phase genauer hinzuschauen.

Wie entsteht eine Skoliose?

Die Entstehung einer Skoliose ist nicht immer eindeutig.

Es gibt viele mögliche Einflussfaktoren, und oft lässt sich keine einzelne Ursache festlegen.

Mögliche Zusammenhänge können sein:

  • Wachstumsschübe
  • genetische Faktoren
  • muskuläre Ungleichgewichte
  • Gewohnheiten in Haltung und Bewegung
  • Unfälle
  • Stürze
  • Überlastungsschmerzen
  • Veränderungen an Füssen, Becken oder Kopf

In vielen Fällen spricht man deshalb von einer sogenannten idiopathischen Skoliose – also einer Form ohne klar erkennbare Ursache.

Nicht jede Skoliose ist gleich

Ein wichtiger Punkt in der Beurteilung ist die Unterscheidung zwischen zwei Formen.

Strukturelle Skoliose

Hier ist die Wirbelsäule selbst verändert.

Die einzelnen Wirbelkörper sind in ihrer Form oder Stellung tatsächlich verdreht oder verschoben.

Das bedeutet:

Die Struktur ist verändert – die Knochen stehen nicht mehr gerade.

Diese Form braucht eine genaue medizinische Abklärung und Begleitung.

Funktionelle Skoliose

Hier sind die einzelnen Strukturen grundsätzlich intakt.

Die Wirbelsäule ist also nicht dauerhaft verändert.

Stattdessen entsteht die Krümmung durch:

  • muskuläre Spannungen
  • einseitige Belastungen
  • veränderte Bewegungsmuster

Man kann sich das vorstellen wie ein System, das aus dem Gleichgewicht geraten ist – nicht, weil Teile «kaputt» sind, sondern weil sie nicht optimal zusammenspielen.

Und genau hier liegt eine Chance:

Funktionelle Skoliosen lassen sich oft gut beeinflussen.

Was bedeutet das für die Therapie?

In der Therapie geht es nicht nur darum, die Wirbelsäule anzuschauen, sondern den ganzen Körper in seiner Bewegung zu verstehen.

Wir beobachten zum Beispiel:

  • Wie bewegt sich der Rücken?
  • Gibt es Unterschiede zwischen links und rechts?
  • Wie arbeiten Atmung und Rippen zusammen?
  • Welche Rolle spielen Becken und Haltung?

Gerade bei funktionellen Skoliosen kann gezieltes Training helfen, Bewegungen wieder gleichmässiger zu verteilen und Spannungen besser zu regulieren.

Früher erkennen – besser begleiten

Die wichtigste Botschaft ist deshalb nicht, sofort etwas «korrigieren» zu müssen.

Sondern überhaupt hinzuschauen.

Je früher eine Skoliose erkannt wird, desto besser kann man den Verlauf begleiten und – wenn möglich – positiv beeinflussen.

Gerade im Wachstum ist der Körper noch sehr anpassungsfähig.

Das bietet eine wertvolle Chance, Bewegung neu zu organisieren und zu verstehen.

Wenn Sie Fragen zu einer möglichen Skoliose haben oder Ihr Kind untersuchen lassen möchten, beraten wir Sie gerne an unserem Standort Neftenbach.